European Centre for Press and Media Freedom: Warum willst du Journalistin sein und was reizt Dich an dem Beruf?
Heba Alkadri: Als Kind wollte ich schon immer Journalistin werden. Meine Mutter sagte, ich hätte mehr Papier und Stifte gebraucht als Essen. Ich kenne jedoch die Zeiten nicht, in denen es der gedruckten Zeitung gut ging und JournalistIn ein angesehener Beruf war. Ich kenne Journalismus nur als der verbotene Beruf und JournalistInnen, die verschwunden sind und gefoltert wurden. In Deutschland geht es ständig um die Krise des Journalismus und um die prekäre Beschäftigung. Trotzdem reizt mich vieles an dem Beruf.
Einzig die Geschichte formt Klischees. Und das Problem mit Klischees ist nicht, dass sie unwahr sind, sondern dass sie unvollständig sind. Oft wird in den Medien über MigrantInnen und Geflüchtete geredet. Doch kaum jemand lässt sie zu Wort kommen, sie sind kaumrepräsentiert. Das Problem ist natürlich: Es gibt nicht genügend Migranten in den Redaktionen. Zwischen 1 und 3 Prozent liegt der Anteil von JournalistInnen mit Migrationshintergrund in deutschen Medien. Da fühle ich mich verpflichtet, den Beruf zu machen, dieunerzählten Geschichten zu erzählen.
Die Medien habe zwar keinen großen Einfluss auf das, was das Publikum zu einzelnen Themen denkt, aber einen erheblichen Einfluss darauf, worüber es sich überhaupt Gedanken macht.
Hier will ich tätig werden, damit ich Geschichten erzählen kann, die sonst unerzählt bleiben.
Wie gefällt dir dein Praktikum bei der taz?
Die Philosophie, die hinter dem Haus steht, liegt mir am Herzen. Taz ist ein unabhängiges, leserfinanziertes Medium. Nach innen hat die taz flache Hierarchien und istoffen und durchlässig wie kaum eine andere Zeitung – bis zur Ebene der Chefredaktion.
Die taz ist für viele ein Zuhause. Für mich ist sie das auch. Ich fühle mich wohl, angesehen, zugehörig. “Deiner Geschichte ist uns wichtig, deine Name darf nicht falsch ausgesprochen werden!,” das wurde mir an meinem allerersten Tag bei der taz gesagt. Das gibt einem Kraft!
Wie sieht dein Arbeitsalltag bei der taz aus, mit welchen Aktivitäten bist du dort beschäftigt? Und was lernst du neu dazu?
Jeden Tag haben wir ein kleines, Ressort-internes Meeting. . Danach haben wir eine große, (oft) 45-minütiges Konferenz. Jeden Tag schauen wir uns gemeinsam mit den Redakteuren und Volontären die ausgedruckten Seiten an und können Kritik zum bisherigen Stand äußern. Hier können alle zu Wort kommen.
Ich lerne hier, wie man eine Geschichte so schreibt, dasssie interessant für den Leser wird. Ich lerne wie man auf den Punkt erzählt. Welche Begriffe man benutzt. Ich habe eine Geschichte über eine Syrerin geschrieben. Die Redaktion hat mich auf die Pauschalisierung und Verallgemeinerungen in meinem Artikel aufmerksam gemacht. Ich lerne den Ablauf in der Redaktion einer Überregionalen Zeitung und den netten Umgang miteinander. Ich habe Kontakte geknüpft.
Konntest du bereits Artikel veröffentlichen? Über welche Themen hast du geschrieben?
Mit der Sprecherin des grünen Kreis-verbandes Ulrike Seemann-Katz habe ich ein Interview geführt. Ich habe über Pressefreiheit im Irak geschrieben. Ein Review von einem Podcast. Eine kleine Geschichte über mich als ich 16 war. Die wurde zum 16. Geburtstag unseres Ressorts veröffentlicht. Momentan arbeite ich an einem Interview mit einer libanesischen Journalistin über die Rolle der Medien im gewaltlosen Widerstand. Und an einer spannenden Geschichte über eine Syrerin, die mit einer älteren deutschen Dame befreundet ist. Nicht trotz des Altersunterschieds, sondern deswegen!